Captain James T Jerk
Zum ersten mal ueberkam mich das Verlangen, einen blogbeitrag aufgrund fehlender Hardware als Konserve anzulegen. Und zwar am Montag, etwa um 16 Uhr, Flug DL49, in 32000 Fuss Hoehe. Da ich mir schon die Muehe gab, in der Enge meiner Sitzgelegenheit (in der Holzklasse) diese Zeilen auf Kollegblock, holzfrei, zu verfassen, will ich sie jetzt auch dem Blog ueberantworten!
***
Eigentlich gibt es momentan nichts spannendes zu berichten, aber die Gefangenschaft im Zellenblock B-767-300-ER (300 steht fuer die maximale Anzahl von Haeftlingen) belastet mein Befinden gerade in Richtung des gelben Bereiches, und was gibt es blogtechnisch erquickenderes, als sich am Elend anderer zu erfreuen, auch wenn der Leidende diesmal ich bin.
Ich hasse Langstreckenfluege. Bis auf die meist zur Belohnung ausgesetzte Ankunft an einem Ort, der einem, zumindest voruebergehend, als besser erscheint, als dass, was die tagtaegliche Umgebung hergibt, kann ich dem ganzen nichts abgewinnen.
Grundsaetzlich gilt es, mindestens acht Stunden zu ueberstehen, ohne dem Wahnsinn zu verfallen, denn rechts ranfahren, fruehzeitig ein Hotel aufsuchen, gleich hier campen, all diese liebgewonnenen Optionen im normalen Reisemenue, fallen hier flach. Ergibt sich im Laufe des Daseins des oefteren der Wunsch oder die Notwendigkeit nach Fernzielen, legt man sich eine Taktik zurecht.
Ich will dem geneigten Leser meine bisher erprobten Taktiken nicht vorenthalten.
Variante I, nennen wir sie mal "Beam me up, Scotty", bedient sich der gewitzten Kombination verschreibungspflichtiger Chemikalien mit den feilgebotenen Alkoholika. Bei konsequenter Anwendung schlummern sie spaetestens ab Stunde zwei, und zwar bis zur Landung. Das Erwachen, das Einsammeln des Gepaecks, die Fragen der Zollbeamten, nun, der Rest des Tages, fuehlen sich jedoch eher an wie "Frisch gekotzt, Scotty?", weshalb ich, nicht zuletzt um die Gesundheit meiner Leser besorgt, von Variante I abraten moechte.
Selbst Auch ich wurde irgendwann schlauer und bevorzuge nun Variante II fuer die Langstreckenflugabwicklung, nennen wir sie mal "Fit for Fun".
FfF bedarf zwar geringfuegiger Planung und Vorbereitungstaetigkeiten, belohnt den Reisenden aber durch maximalrelaxierte Ankunft am gewaehlten Wunschziel.
Wobei es bei der Scottymethode noch scheissegal ist, was Sie die Tage vorher treiben (Sie beamen Sich ja eh weg), heisst es hier nun Gesundheitpflege. Zwei Tage (am Stueck!) sollte genuegend Schlaf gefunden, anstaendig ernaehrt und bleifrei getrunken werden. Es ist kaum auszuhalten. Zeitgleich beginnt die Suche nach zeittotschlagenden Druckwaren, welche transportabel, jugendfrei und leicht bekoemmlich sind. Ob Slowenischkurs, Sodoku, Aufklaerungsliteratur, ganz nach Ihrem Gusto. Obendrauf noch den 766seitigen Schmoeker, der schon so lange daheim zwischen den IKEA-Brettern gammelt. Da immer noch reichlich Platz im Hutkoffer vorhanden, bitte auffuellen mit 1-2 Liter (je nach Blasenkondition) Wasser (nach der Zollkontrolle fuer viel Geld links vom gate erworben), Kaugummi (ja, auch SIE stinken aus der Luke nach 12 Stunden), ein Musikabspielgeraet mit der Lieblingsmucke, und, falls Sie nicht eh schon uebergewichtig sind, 300 Gramm Ihres Lieblingsproduktes der Firma Haribo.
So ausgeruestet kann der Angriff folgen, aber wir lesen, lachen, vergnuegen uns geradezu unentwegt, bis, fast schon schade, der gefaehrlichste Teil des Operation ansteht, die Landung. Froehlich grinsend schreiten wir fast schon huepfend am Piloten vorbei, verabschieden und mit einem Schnellkaraokeeinsatz und bemitleiden die mitgereisten, von der Dehydrierung gezeichneten, totgelangweilten Gesichter unseres Geschwaders.
Nun, warum schreibe ich den ganzen Mist auf? Und warum ist die Laune im Keller?
Weil der Kopfhoerer meines mp3-players gestern im ICE mit einer Sitzlehne herumalberte, und dabei seinen rechten Arm verlor? Oder weil die Zweitagesabstinenz in einem drittklassigen Irish Pub in Frankfurt auf der Strecke blieb? Koennte auch daran liegen, das vom Anstehen zum Einchecken bis zum Erreichen des gates geschlagene drei Stunden vergingen, womit die Chance, meine Evianvorraete aufzufuellen, dahin waren. Aber ich vermute offengestanden, der Grund liegt eher in der Scheisskaelte in diesem Flieger, wo zwischenzeitlich alle Anwesenden sektengleich mit Decken behangen rumsitzen und die Damen vom Amt ob der Beschwerden nur milde laecheln. Seit Stunden kriecht diese trockene Kaelte in meinem Riechorgan bergauf, legt saemtliche Schleimhaeute trocken und nimmt langsam Besitz von der Nebenrinde.
Es ist zum rechtsranfahren.
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Eigentlich gibt es momentan nichts spannendes zu berichten, aber die Gefangenschaft im Zellenblock B-767-300-ER (300 steht fuer die maximale Anzahl von Haeftlingen) belastet mein Befinden gerade in Richtung des gelben Bereiches, und was gibt es blogtechnisch erquickenderes, als sich am Elend anderer zu erfreuen, auch wenn der Leidende diesmal ich bin.
Ich hasse Langstreckenfluege. Bis auf die meist zur Belohnung ausgesetzte Ankunft an einem Ort, der einem, zumindest voruebergehend, als besser erscheint, als dass, was die tagtaegliche Umgebung hergibt, kann ich dem ganzen nichts abgewinnen.
Grundsaetzlich gilt es, mindestens acht Stunden zu ueberstehen, ohne dem Wahnsinn zu verfallen, denn rechts ranfahren, fruehzeitig ein Hotel aufsuchen, gleich hier campen, all diese liebgewonnenen Optionen im normalen Reisemenue, fallen hier flach. Ergibt sich im Laufe des Daseins des oefteren der Wunsch oder die Notwendigkeit nach Fernzielen, legt man sich eine Taktik zurecht.
Ich will dem geneigten Leser meine bisher erprobten Taktiken nicht vorenthalten.
Variante I, nennen wir sie mal "Beam me up, Scotty", bedient sich der gewitzten Kombination verschreibungspflichtiger Chemikalien mit den feilgebotenen Alkoholika. Bei konsequenter Anwendung schlummern sie spaetestens ab Stunde zwei, und zwar bis zur Landung. Das Erwachen, das Einsammeln des Gepaecks, die Fragen der Zollbeamten, nun, der Rest des Tages, fuehlen sich jedoch eher an wie "Frisch gekotzt, Scotty?", weshalb ich, nicht zuletzt um die Gesundheit meiner Leser besorgt, von Variante I abraten moechte.
FfF bedarf zwar geringfuegiger Planung und Vorbereitungstaetigkeiten, belohnt den Reisenden aber durch maximalrelaxierte Ankunft am gewaehlten Wunschziel.
Wobei es bei der Scottymethode noch scheissegal ist, was Sie die Tage vorher treiben (Sie beamen Sich ja eh weg), heisst es hier nun Gesundheitpflege. Zwei Tage (am Stueck!) sollte genuegend Schlaf gefunden, anstaendig ernaehrt und bleifrei getrunken werden. Es ist kaum auszuhalten. Zeitgleich beginnt die Suche nach zeittotschlagenden Druckwaren, welche transportabel, jugendfrei und leicht bekoemmlich sind. Ob Slowenischkurs, Sodoku, Aufklaerungsliteratur, ganz nach Ihrem Gusto. Obendrauf noch den 766seitigen Schmoeker, der schon so lange daheim zwischen den IKEA-Brettern gammelt. Da immer noch reichlich Platz im Hutkoffer vorhanden, bitte auffuellen mit 1-2 Liter (je nach Blasenkondition) Wasser (nach der Zollkontrolle fuer viel Geld links vom gate erworben), Kaugummi (ja, auch SIE stinken aus der Luke nach 12 Stunden), ein Musikabspielgeraet mit der Lieblingsmucke, und, falls Sie nicht eh schon uebergewichtig sind, 300 Gramm Ihres Lieblingsproduktes der Firma Haribo.
So ausgeruestet kann der Angriff folgen, aber wir lesen, lachen, vergnuegen uns geradezu unentwegt, bis, fast schon schade, der gefaehrlichste Teil des Operation ansteht, die Landung. Froehlich grinsend schreiten wir fast schon huepfend am Piloten vorbei, verabschieden und mit einem Schnellkaraokeeinsatz und bemitleiden die mitgereisten, von der Dehydrierung gezeichneten, totgelangweilten Gesichter unseres Geschwaders.
Nun, warum schreibe ich den ganzen Mist auf? Und warum ist die Laune im Keller?
Weil der Kopfhoerer meines mp3-players gestern im ICE mit einer Sitzlehne herumalberte, und dabei seinen rechten Arm verlor? Oder weil die Zweitagesabstinenz in einem drittklassigen Irish Pub in Frankfurt auf der Strecke blieb? Koennte auch daran liegen, das vom Anstehen zum Einchecken bis zum Erreichen des gates geschlagene drei Stunden vergingen, womit die Chance, meine Evianvorraete aufzufuellen, dahin waren. Aber ich vermute offengestanden, der Grund liegt eher in der Scheisskaelte in diesem Flieger, wo zwischenzeitlich alle Anwesenden sektengleich mit Decken behangen rumsitzen und die Damen vom Amt ob der Beschwerden nur milde laecheln. Seit Stunden kriecht diese trockene Kaelte in meinem Riechorgan bergauf, legt saemtliche Schleimhaeute trocken und nimmt langsam Besitz von der Nebenrinde.
Es ist zum rechtsranfahren.
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herrgpunkt - 2007-05-30 16:55
6 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Jekylla (Gast) - 2007-05-30 18:34
Ach herrje, Herr G.
das faengt ja gut an. Aber sehen Sie es positiv, es kann doch jetzt nur noch besser werden! Und es haette schlimmer werden koennen. Stellen Sie sich eunen putzmunteren 4jaehrigen Rotzloeffel herzigen Buben vor, der Ihnen staendig von hinten in die Rueckenlehne tritt. Oder neben sich einen 160kg-Nachbarn, der Ihnen ueber die Sitzlehne quillt und Sie noch miteinschweisst. Oder das ultranervige allerliebste Baby, das sich vor Ihnen die zarten Lungen aus dem Leibe schreit. Und sicher ist Ihnen auch der On board-Movie "Titanic" erspart geblieben. Und auf dem Hinweg, mein lieber Herr G., gibt es bei Delta doch auch noch deutschen Kaffee, also ganz anders als auf dem Rueckweg. Ach ja, und eh ich es vergesse: essen Sie NICHT, hoeren Sie: NICHT die Fruehstueckswuerstchen, Sie wuerden es bereuen. Pure plastic with aromatic ingredients, you would not wanna know about until they.. return....
Delta Air Lines - you' ll love the way we fly! :-)
Ach ja: verzerrtes Wort: sucks
Na sowas....
Delta Air Lines - you' ll love the way we fly! :-)
Ach ja: verzerrtes Wort: sucks
Na sowas....
herrgpunkt - 2007-05-31 00:36
Frau Jay!
Danke fuer Ihr Mitgefuehl, man merkt gleich, Sie kennen Sich aus. Delta ist ja noch nicht mal der schlechteste Laden (man fuehlt sich ein bischen wie daheim, da jede der Flugbegleiterinnen zumindest alterstechnisch als Frau Mutter durchgegangen waere), die Lusthansa bietet auch nicht viel mehr, ausser SA-meilen. Obwohl, meinen Kaffee hat Mama beim ersten Versuch komplett unterschlagen, es dauerte zwei Stunden bis wieder aufgefahren wurde. Die brechfest-Wuerstchengefahr! Danke fuer den Hinweis! Ich gebe immer den Vegetarier (weils besser mundet als die "Chicken-or-Beef-Variante"), sollte also verschont bleiben!
Aber ansonsten ist alles wunderbar, ich fuehl mich schon wie auf Ruegen hier :-)
Aber ansonsten ist alles wunderbar, ich fuehl mich schon wie auf Ruegen hier :-)
larousse - 2007-05-31 08:34
Oh, mein armer HerrGPunkt,
Ich verfolge höchst interessiert Ihren Leidensweg und danke für den ausführlichen und höchst amüsanten lehrreichen Survival-Guide; ist es doch geplant, mit Mann und Maus Brut Ende des Jahres NYC einen Besuch abzustatten.
Wobei... vielleicht sollten wir doch lieber eine europäische Grossstadt wählen, die man bequem mit dem Auto erreichen kann...!?
Wobei... vielleicht sollten wir doch lieber eine europäische Grossstadt wählen, die man bequem mit dem Auto erreichen kann...!?
herrgpunkt - 2007-05-31 17:03
NYC is cool
Verehrteste Frau Larousse, seien Sie versichert, es geht mir schon seit der Ankunft praechtig, der Flug ist laengst vergessen. Nuh Jorck muss man (und Maus) gesehen haben! Und wie cool fuer die Brut, die in der Schule protzen kann! Hin! :-)
pathologe - 2007-05-31 08:46
Sie leben noch!
Analoges Bloggen kenne ich auch, selbst schon mal getan, Ende Oktober 2005.
Ich kann Ihre gute Beschreibung verstehen. Sollte es sich mal dienstlich bei Ihnen ergeben, versuchen Sie, Business zu bekommen. Das Essen ist minimal besser, es gibt mehr Auswahl im unterhaltungstechnischen Bereich, und der 250kg-Sitznachbar quillt nur unbedeutend in den eigenen Luftraum.Außerdem kann man sich mittels größerer Auswahl besaufen. An den Temperatureinstellungen kann man aber auch bei Business nichts ändern. Ich vermute ja stark, dass die Kabinentemperatur von den männlichen Flugbegleitern gewählt wird, und zwar so, dass sie sich wohlfühlen. Die bringen ja meist schon eine gewisse Grundwärme mit. Dass ihre Passagiere meist andersrum sind, interessiert dabei nicht.
Schönen Urlaub noch!
Ich kann Ihre gute Beschreibung verstehen. Sollte es sich mal dienstlich bei Ihnen ergeben, versuchen Sie, Business zu bekommen. Das Essen ist minimal besser, es gibt mehr Auswahl im unterhaltungstechnischen Bereich, und der 250kg-Sitznachbar quillt nur unbedeutend in den eigenen Luftraum.
Schönen Urlaub noch!
herrgpunkt - 2007-05-31 17:12
Herr Pathologe!
Dienstlich goennt mein Broetchengeber (das oe regt mich langsam auf) seinen Knechten immer Business, aber das kommt recht selten vor. Es gab auf DL49 keine rosa Saftschieber, lediglich der Pilot sah leicht schwul aus und bekam beim Ueberfliegen von Luftloechern immer so ein Grinsen auf die Backen.
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